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Chefumfrage in hessischer Metall- und Elektro-Industrie

Mehr Stellenbesetzungsprobleme // 30 % der Unternehmen planen Einstellung von Flüchtlingen // Fasbender: „Flüchtlinge lösen Fachkräfteproblem nicht.“

03.12.2015

stephanie_hofschlaeger_pixelio.de.jpgFrankfurt/Main. „Die hessischen Metall- und Elektro-Unternehmen sind in hohem Maße bereit, Flüchtlinge über Einstiegsqualifizierungen an Ausbildung und Jobs heranzuführen und in Arbeit zu integrieren. Schon jetzt haben über 6 Prozent Flüchtlinge eingestellt, über 30 Prozent haben es kurzfristig geplant. Das halten wir für erstaunlich hohe Zahlen, wenn man in Betracht zieht, wie kritisch die M+E-Unternehmen die Qualifikation der Azubis bewerten,  ...

Foto: Stephanie Hofschläger/ pixelio.de

wie schwer es aktuell noch ist, Flüchtlinge überhaupt zu rekrutieren und dass es in unserer Industrie praktisch kaum Helferjobs gibt“, bilanzierte Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes HESSENMETALL anlässlich der Vorstellung der traditionellen Chefumfrage im Herbst. An dieser Erhebung hatten sich insgesamt 237 Mitgliedsunternehmen mit 87.510 Beschäftigten beteiligt.


Fachkräftemangel verschärft sich


Eine stabile Beschäftigungsentwicklung signalisiert die große Mehrzahl der teilnehmenden Unternehmen für alle drei Qualifikationsebenen: für die Auszubildenden (75 Prozent), die Fachkräfte (69 Prozent) und die Akademiker (72 Prozent). In den nächsten drei Jahren wird sich daran nichts ändern. Künftig erwarten die Unternehmen bei den Fachkräften und den Akademi-kern eine steigende Nachfrage, bei den Auszubildenden eher eine gleichbleibende.

Bei der Stellenbesetzung zeichnen sich zunehmend Probleme ab: Bereits 28 Prozent Unternehmen können Akademiker-Positionen nicht mehr planmäßig besetzen. Bei den Fachkräften sind es 27 Prozent, bei Azubis 13 Prozent. Für die kommenden drei Jahre erwarten die Befragten eine Verschärfung: Bei den Akademikern rechnen 30 Prozent der Unternehmen damit, niemanden zu finden – bei den Fachkräften sogar 32 Prozent, bei den Auszubildenden immerhin noch 22 Prozent.

Mangel an Qualifikation und Mangel an Bewerber sind die Gründe für die Nichtbesetzung. Vor allem an Qualifikation fehlt es den Auszubildenden, derzeit 61 Prozent, künftig: 58 Prozent. Bei den Fachkräften halten sich Qualifikations- und Bewerbermangel künftig die Waage. Bei Akademikern fehlen schlicht die Bewerber - jetzt schon bei 71 Prozent, künftig bei drei Viertel der Stellen.



Flüchtlinge sind willkommen


pk5.jpg„Flüchtlinge sind unseren Unternehmen willkommen. Diese benötigen bestimmte Rahmenbedingungen, sind aber schon stark engagiert oder planen das“, fasste Fasbender zusammen. Die beteiligten Unternehmen fordern von der Politik: bessere sprachliche Voraussetzungen schaffen (39 Prozent), schnelle Erfassung der vorliegenden Qualifikationen bei den Flüchtlingen (20 Prozent), frühzeitige Arbeitserlaubnis (19 Prozent), Weiterbildung von Flüchtlingen (11 Prozent).

Viele Unternehmen bieten Unterstützung bei Erstversorgung in Form von Sachspenden, kostenlose Überlassung von Räumen, Geld-Sammlungen. Die Unterstützung ausländischer Studenten durch Beschäftigung als Werkstudenten oder ihre Begleitung von Diplomarbeiten ist seit Jahren Standard bei vielen, vor allem die größeren haben teilweise sogar Kooperationsverträge mit den Hochschulen an ihrem Standort. Als erste Reaktion auf die Flüchtlingswellen haben viele Unternehmen ihre Angebote an Praktika und Einstiegsqualifikationen für alle Niveaus ausgeweitet und spezielle Flüchtlingskontingente geschaffen. Oft flankieren sie diese Einstiegsqualifizierungen mit Patenschafts- oder Mentoren-Programmen durch Mitarbeiter. Ausbildungs- und Arbeitsplätze für allerdings schon länger hier weilende Einwanderer bieten nicht nur die größeren, sondern auch der Mittelstand. Größere Unternehmen finanzieren nicht selten Sprachförderung, kleinere fördern sie eher individuell: In einem Fall gibt der Chef sogar selbst Deutschkurse.



Flüchtlinge lösen Fachkräfteproblem nicht


pk3.jpgDass Integration viel länger dauern wird, als viele glauben, zeigen der IAB-Bericht, die aktuelle ifo-Umfrage und Zahlen, die BA-Chef Frank-Jürgen Weise auf dem deutschen Arbeitgebertag vergangene Woche benannt hat:
10 Prozent der Bleibeberechtigten seien gut ausgebildet und rasch vermittelbar. Bis 50 Prozent der Eingewanderten in Lohn und Brot seien, würden 5 Jahre ins Land gehen. Bis 70 Prozent arbeitsfähig seien sogar 10 Jahre. Das bedeute: Je höher die Qualifikationsvoraussetzungen für Ausbildung und Arbeit, desto schwieriger wird die Integration. Die Metall- und Elektro-Industrie hat enorme Qualitätserwartungen schon an ihre Ausbildungs-kandidaten und erst recht für ihre Fachkräfte. Sie wird das ihre zur Integration leisten.

Viele Flüchtlinge kommen jedoch nicht auf der Flucht vor Krieg und Vertreibung zu uns, sondern wollen durch Arbeit ihre wirtschaftliche Situation verbessern. Dies gilt vor allem für Asylantragsteller aus den Ländern des Westbalkans. Diese Zuwanderer sind im Asylverfahren falsch. Deshalb muss der Gesetzgeber dringend mit einem Zuwanderungsgesetz Transparenz über die Möglichkeiten für ausländische Arbeits- und Fachkräfte schaffen, damit Wirtschaftszuwanderer nicht den falschen Weg über das Asylverfahren wählen. Auf diese Weise entlasten wir unser Asylsystem und sprechen gezielt die benötigten Arbeits- und Fachkräfte im Ausland an“, so der VhU-Hauptgeschäftsführer.



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